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Herbert Wintersohl

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Pressemitteilung der Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 07.06.2010 (www.augsburger-allgemeine.de/Home/Artikel,-Aus-dem-Stahlhelm-wurde-ein-Nudelsieb)

 

Von Jasmin Off

Deutschland 1945: Das Land liegt in Schutt und Asche, die Menschen sind traumatisiert, es herrschen Not und Elend. Während bei vielen der Irrglaube herrscht, jetzt werde alles besser, wird schnell klar, dass es an den einfachsten Dingen des täglichen Lebens mangelt: Nahrung, Kleidung, Brennmaterial, Haushaltsgegenstände. Das Problem: Bis zur Kapitulation war die gesamte Industrie auf Kriegsproduktion ausgerichtet, Alltagsgegenstände wurden schon lange nicht mehr hergestellt.

Wo diese auf der einen Seite fehlen, hat man auf der anderen Seite nach Kriegsende plötzlich überflüssige Rüstungsgegenstände. Soldatenhelme, Geschosshülsen, Gasmasken - auf Feldern, Wiesen und in den Städten sammelt sich der Kriegsschrott. Und so wird aus der Not eine Geschäftsidee geboren: die industrielle Umarbeitung von Kriegsgegenständen zu Dingen des täglichen Lebens. Viele Jahre haben sie in deutschen Haushalten überdauert, seit Sonntag sind sie in einer Sonderausstellung im Bahnpark Augsburg zu sehen.

Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt

Die Exponate zeigen vor allem, dass der Fantasie damals keine Grenzen gesetzt waren. Aus Pulversäckchen wurden Puppenkleider, aus der Transportdose für die Gasmaske entstand eine Teekanne. Auch alte Wehrmachts- und Feuerwehrhelme wurden umfunktioniert. Ränder abschneiden, Löcher rein, Henkel dran - fertig war der Nudelseiher.

„Das ist wirklich deutsche Genialität“, zeigt sich Herbert Wintersohl begeistert, „in einer Situation des größten Elends zeigten die Menschen unglaubliche Kreativität und Erfindergeist.“ Wintersohl ist Kurator der Ausstellung und legt vor allem viel Wert auf die Geschichte, die die Gegenstände erzählen, zum Beispiel die Entstehung eines ausgestellten alten Brautkleides. Aufgrund der vielen Kleidersammlungen für die Soldaten war Stoff nach Kriegsende knapp und so wurde das Kleid für die Braut eines deutschen Soldaten in britischer Gefangenschaft kurzerhand aus einem gebrauchten Rettungsfallschirm gefertigt.

Das Umnähen machte Mode, viele Schneidereien beschäftigen sich schon kurz nach Kriegsende nur noch damit, aus alten Wehrmachtsdecken und Hakenkreuzfahnen Kleidung und Bettwäsche herzustellen. Auch Getreide - und Kartoffelsäcke, die ehemals zur Heeresverpflegung dienten, wurden umgearbeitet, durften aber aufgrund des neuen Hakenkreuzverbots nur „auf links“ getragen werden.

Ein weiteres Problem für die Produktion war, dass die Farbe des Militärs nicht weiter verwendet werden durfte und so viele der tarngrünen Gegenstände erst einmal anders gefärbt werden mussten. „Das macht die Zeit zwischen 1945 und 1948, als dann das Wirtschaftswunder für Aufschwung sorgte, so spannend, dass die benötigen Produkte zwar bekannt waren, aber ihre Produktion völlig neu erfunden werden musste“, so Wintersohl.

Seit mehr als zehn Jahren ist der Künstler aus Buchloe mit dem Sammeln der gezeigten Exponate beschäftigt, viele der Gegenstände hat er im Internet ersteigert und auf Flohmärkten erworben. Seit er mit den „Notlösungen“ der gleichnamigen Ausstellung durch Deutschland zieht, kommt es aber auch immer wieder vor, dass Besucher ihm Gegenstände schenken.

Auch in Augsburg hofft Wintersohl jetzt auf etwaige Spender, die ihre Dachböden und Keller nach geeigneten Ausstellungsstücken durchforsten. Und auf zahlreiche Besucher seiner Ausstellung, die nicht nur Geschichte zum Anfassen sein soll, sondern mit der er Zeitzeugen, deren Kinder und Enkel zum Dialog über die Nachkriegszeit anregen will.

Info: Zu sehen ist die Sonderausstellung „Notlösungen“ im historischen Bunker auf dem Bahnparkgelände (Firnhaberstraße 22 c). Geöffnet ist an den Museumsnachmittagen am 4. Juli, 1. August, 5. September sowie dem 3. und 24. Oktober jeweils von 13 bis 17 Uhr.

Pressemitteilung der Buchloer Zeitung vom 14. April 2010 (www.all-in.de/nachrichten/allgaeu)

18 Bewohner aus den Seniorenheimen Buchloe und Waal besichtigen die Ausstellung „Notlösungen“ im Armenhaus Lindenberg

Buchloe/Lindenberg.Organisieren. Bei diesem Begriff schmunzelt Hermann Kreuzer über das ganze Gesicht. Versonnen. So als fühlte er sich für einen kurzen Augenblick zurückversetzt in die Zeit nach dem Krieg, als er ein kleiner Junge war und man sehen musste, wo man viele Sachen herbekommen konnte. „Organisieren, das war kein stehlen“, wirft der 66-Jährige in die Runde und erhält von vielen Seiten ein zustimmendes Nicken. Sie alle wissen es. Sie waren dabei. Herbert Wintersohl schätzt dieses Wissen. Es ist der Grund, warum auch für den Macher der Ausstellung „Notlösungen“ dieser Nachmittag ein besonderer ist. Seit Ende November läuft die Ausstellung im Lindenberger Armenhaus. In unzähligen Einzelstücken dokumentiert sie Not und Erfindungsreichtum der Nachkriegszeit. Zu Besuch waren einzelne Personen, Familien, ganze Schulklassen – doch noch nie eine so große Gruppe von Zeitzeugen. 18 Personen aus den Seniorenheimen Buchloe und Waal präsentiert Wintersohl heute seine Sammlung. Der Jüngste von ihnen ist Hermann Kreuzer, die älteste eine Heimbewohnerin mit 96 Jahren.

Geschichten als Gegenleistung

Es ist das heutige Klientel, „die Profis“, wie der Buchloer sie nennt, von denen er kleine, aber für ihn so teure Gegenleistung für seine unterhaltsamen Ausführungen erhält: Geschichten. Geschichten wie die von Maria Heidrich. Als Wintersohl die aus einer SA-Uniform gefertigte braune Trachtenjacke präsentiert, bricht es aus der 79-Jährigen heraus. „So etwas hatten wir auch.“ Es ist ein Satz, den Wintersohl gerne hört. Und so erzählt die einstige Schneiderin aus Österreich von Mänteln aus Wehrmachtsdecken und von dem Schaufenster der kleinen Näherei an der Wiener Prachtstraße, in dem in großen Lettern der Spruch zu lesen war: „Aus Altem macht mit viel Geschick, Dein Schneider Dir ein neues Stück.“ Improvisation war an der Tagesordnung. Es gab ja nichts zu kaufen, erklärt Heidrich. Keine Schuhe. Kein Gewand. Es ist ein Spruch, den man an diesem Nachmittag öfter hört. Andere steigen in Diskussion ein. Barbara Hoffmann (90) berichtet von fahrenden Handwerkern, die nach dem Krieg von Dorf zu Dorf zogen und mit dem Gummi alter Fahrradschläuche, Schuhe besohlten. Oftmals nur für eine Mahlzeit. „Organisiert“ war vermutlich auch das Stück Flugzeugblech, aus dem einst der Beerenpflücker gefertigt wurde, den Wintersohl präsentiert und der ein bisschen wie ein grober Lauskamm aussieht. Rüstungsmaterial war selbst Jahre nach dem Krieg noch überall im Wald zu finden, erzählt Kreuzer. Auch rund um Waalhaupten. Es ist nur eine Randnotiz, aber sie ist auffällig: In all den Erzählungen schwingt immer ein Quäntchen Stolz mit. Als wollten die Anwesenden sagen: Seht her, wir hatten wenig, aber wir haben das Beste daraus gemacht.

Zeichen der emotionalen Nähe

Bei vielen offenbart sich die Erinnerung aber auch wortlos. Als ein Schmunzeln, ein kleines wissendes Nicken, ein kaum erkennbares Glänzen in den Augen. Kleine „Zeichen der emotionalen Nähe“, wie Wintersohl sie nennt. Dass Erinnerung aber auch ein zweischneidiges Schwert sein kann, weiß Marion Tomschik. „Viele genießen sie“, erklärt die Pflegerin: „Aber es gibt auch manche, die wollen damit nichts mehr zu tun haben, sie wollen die schlechte Zeit einfach vergessen.'“ Heute habe sie während der Führung aber ein sehr gutes Gefühl gehabt. Zu oft kam der begeisterte Ruf: „So etwas hatten wir auch.“

Pressemitteilung der Buchloer Zeitung vom 31. Dezember 2009  (www.all-in.de/nachrichten/allgaeu)

Ausstellung Buchloer zeigen großes Interesse – Exponate leiden unter der Feuchtigkeit

Buchloe In etwas mehr als vier Wochen waren über 250 Besucher in der Ausstellung „Not-Lösungen – Alltag im Nachkriegsdeutschland 1945 bis 1948“ ins Lindenberger Armenhaus gekommen.
Organisator Herbert Wintersohl freut sich über das große Interesse: „Das ist deutlich besser als erwartet, zumal nur sonntags für jeweils vier Stunden geöffnet ist.“ Besonders angetan ist er über das große Interesse der Schulklassen, „für die ich gerne und zu jeder Zeit öffne“.
Bereits am Tag der Eröffnung brachte Buchloes Altbürgermeister Franz Greif ein Foto mit, das ihn rudernd in einem „Paddelboot“ aus einem abwerfbaren Zusatztank auf der Gennach zeigt.

Milchkanne aus Lindenberg

Milchkanne aus H...
Eine Lindenbergerin stellte eine Milchkanne aus der Nachkriegszeit als Leihgabe zur Verfügung. Es folgten eine Küchenreibe aus Jengen, die aus einer Konservendose hergestellt wurde, und ein Petroleumofen, der 1944 für eine Möbelschreinerei angeschafft wurde, weil es keine anderen Brennstoffe mehr zu kaufen gab. Neu in der Ausstellung ist auch ein Bügeleisen, das der aus Schlesien stammende Willi Großer einst in seiner Aussiedlerbaracke am Hochstattweg mit einem Stück Eisenbahnschiene fertigte.
Das Lindenberger Armenhaus hat sich als Ausstellungsraum bewährt – jedoch nur im Sommer. Für die jetzige Jahreszeit ist der Raum zu groß und zu schlecht isoliert, um mit dem dort stehenden Ofen beheizt zu werden. Wintersohl: „Deshalb war der Wunsch nach einer Holzspende berechtigt und fand auch großen Anklang. Eine Schulklasse brachte gleich einen großen Korb voll Holz mit.“
Neben der Temperatur bereitet dem Ausstellungsmacher vor allem die Feuchtigkeit große Probleme. „Je nachdem, wie sich das Wetter in den nächsten Monaten entwickelt, muss die Ausstellung sogar vorzeitig beendet werden, um die Schäden an den Originaldokumenten zu begrenzen“, sagt er. Geplant ist, die Exponate immer am Sonntagnachmittag bis Ende März zu zeigen.
Um dennoch allen die Möglichkeit zu geben, die Ausstellung anzuschauen, sind weitere Sonderöffnungszeiten geplant: Samstag, 2. und Sonntag 3. Januar jeweils von 13 bis 17 Uhr.

In den ersten vier Wochen kamen ca. 250 Besucher in die Ausstellung. Deshalb werden die Öffnungszeiten zwischen den Feiertagen erweitert, um allen die Möglichkeit zu geben, auch noch nach Lindenberg zu kommen.

An folgenden Tagen ist die Ausstellung von 13 – 17 Uhr geöffnet:


Samstag, 02.01.10


Sonntag, 03.01.10

Die Ausstellungseröffnung im Armenhaus, Lindenberg bei Buchloe, wurde von einem Film-Team des Fernsehsenders TV Allgäu begleitet und heute ausgestrahlt.

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Ich danke TV Allgäu für diesen gelungenen Beitrag.

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Für Vereine und Schulen

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Aktuelle Ausstellung

Notlösungen:

Die Wanderausstellung hat zur Zeit  Winterpause.

Einen Fernsehbeitrag zu dieser Ausstellung in Lindenberg bei Buchloe sehen Sie hier. .

Aktueller Vortrag

Vortrag:

Den nächsten Vortrag können Sie am Mittwoch, 30. März 2011 im Pfarrsaal in Peiting hören. Thema: Die Vögte von Schongau - Die mächtigsten Männer des 13. Jahrhunderts kamen aus Hausen bei Peiting!