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Herbert Wintersohl

Heimathaus Drolshagen

Straße:
Annostr. 3
PLZ:
57489
Stadt:
Drolshagen
Bundesland:
NRW

Beschreibung

Sauerland-Kurier 32./13.Jg (1996), 07.08.1996

Herbert Wintersohl und die Geschichte vom Kaffeelot

von Astrid Heer

Dirkingen – ein kleines Örtchen unweit Drolshagen, ein Bauernhof, ein Zimmer bis unter die Decke angefüllt mit allem Möglichen: Fingerhüte, Mausefalle, Pflüge, Töpfe, Sohlennägel und und und …

Alter Plunder, meinen die einen, Dinge, die eine Geschichte erzählen, die anderen. Zu letzteren zählt Herbert Wintersohl, Besitzer der Sammlung bäuerlicher Haus- und Arbeitsgeräte, gebürtiger Dirkingern, zu Zeit wohnhaft in seiner Wahlheimat Bayern. Wintersohl, für viele Drolshagener ist er immer noch „der von Volperts“, bezeichnet sich selbst als „Jäger und Sammler“. Seit 1985 jagt er interessanten Stücken hinterher, um sie seiner Sammlung einzuverleiben.
Aufbauend auf eine kleine Sammlung seines Vaters nennt er inzwischen circa 1000 Stücke sein Eigen. Da gibt es die Dreschmaschine ebenso wie das Inventar einer alten Schusterei, den Garbenhalter und den „aus der Kartusche einer schweren Feldhaubitze, Modell 18, 1944 hergestellten Christbaumständer“. Auf diesen Bereich hat der 30jährige auch den Schwerpunkt seiner Sammlung gelegt: „Der interessanteste Bereich ist 1945 bis 1949. Eine extrem kurze Phase, aber von enormer Bedeutung: Militaria wurden zivilisiert, zum Beispiel wurden aus Stahlhelmen Töpfe.“
Ist er, bei der Luftwaffe der Bundeswehr für Organisation, Planung und Durchführung Zuständige, zu Beginn seiner Sammlertätigkeit noch Dingen hinterher gejagt, um sie zu besitzen, versucht er heute, die Objekte zu hinterfragen. Auf einer Karteikarte wird die Herkunft, der Ort des Erwerbs, die Maße, Stempel, Bemalung und sonstige Besonderheiten notiert. Probleme treten auf bei Dingen, die völlig fremd sind. Jetzt heißt es herumschauen, Informationen sammeln, Museen besuchen, Literatur wälzen und nicht zuletzt ältere Mitbürger befragen, die ja vielleicht noch mit diesem Gegenstand gelebt und gearbeitet haben. So geschehen mit einer etwas eigenartigen Taschenlampe, versehen mit Halterung und Glaskugel. Was ist das, fragte sich der fleißige Sammler. Beim Besuch in einem Hamburger Museum dann die Lösung: in der Chirurgie des ersten Weltkrieges wurden derartige Lampen benutzt, um einen bestimmten Lichtkegel zu erzeugen. Wichtig für ihn sind neben der Überlegung „Warum ist etwas so?, die Personen hinter einem Gegenstand: “Für ältere Menschen ist das ein Stück Erinnerung. Ich überlege, was erzählt das für eine Geschichte.“ Und was erzählt zum Beispiel ein Kaffeelot? Es war einmal ein kleiner runder Becher aus Eisen, versehen mit einem Henkel, durch einen Zwischenboden aufgeteilt in zwei Hälften, die eine dreiviertel groß, die andere einviertel groß. Als dann in schlechten Zeiten der Kaffee, den die Menschen so gerne tranken, zu teuer wurde, besann man sich auf die gute, alte Zichorienwurzel, und braute aus ihr Zichorien-Kaffee. Weil man aber von der Zichorie mehr, vom echten Bohnenkaffee weniger benötigte, gab es bald die Kaffeelote mit zweierlei Maß: das Große für den „Muckefuck“, das kleine für den Bohnenkaffee.

Datum Titel Ort Stadt
18.08.1996 - 26.08.1996 Alles unter Dach und Fach Heimathaus Drolshagen Drolshagen

Für Vereine und Schulen

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