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Herbert Wintersohl

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Veröffentlichungen

Veranstaltung 

Titel:
Ein Beitrag zur Musikgeschichte des Drolshagener Landes
Wann:
05.09.2003 - 05.09.2003
Wo:
Südsauerland - Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe - Olpe
Kategorie:
Veröffentlichungen

Beschreibung

"dass aus Dirkingen die Musik in unser Drolshagener Land gekommen ist"

 

Ein Beitrag zur Musikgeschichte des Drolshagener Landes

 

Der kleine Ort Dirkingen liegt in einem engen nach Nordosten offenen Tal etwa zwei km südlich von Drolshagen, zu dessen Landgemeinde es zählt. Jahrhunderte lang bestand es nur aus den vier Höfen Wintersohl, Schmidt, Nebeling und Bieker. 1819 gab es 32 Einwohner und 1961 waren es fünf Häuser mit 37 Einwohnern. Dennoch kann der Ort auf eine für seine Größe außerordentlich Musikalität verweisen.
Wie ein Bild von 1918 zeigt, befanden sich im Ort: 2 Lauten, 4 Klarinetten, 3 Trompeten, 1 Kontrabass, 4 Violinen, 1 Cello, 1 Klavier und 1 Schifferklavier. Damit kam auf jeden zweiten Einwohner ein Instrument.
Das Bild der  "Schmidt’schen“ Kapelle" erlangte sogar gewisse Berühmtheit. Es zeigt die Geschwister Maria, Franz, Paul, Paula und Emma Schmidt aus Dirkingen mit ihren Instrumenten und dürfte zur Zeit des I. Weltkrieges aufgenommen worden sein. Erstmals erschien es 1977 im Buch"Drolshagen Bilder einer Stadt", dessen Bildteil Felix Stahlhacke zusammengestellte, mit der Unterschrift

Die Geschwister (v. l.) Maria, Franz, Paula und Emma der Musikerfamilie Schmidt aus Dirkingen. Sie bildeten die sogenannte Schmidt’sche Kapelle

1989 war es in der Chronik der Iseringhauser Musik, 1998 in der Chronik der Drolshagener Musik und noch einmal 1998 in

St. Antonius Schützenbruderschaft Iseringhausen Vereins- und Heimatgeschichte zum 100jährigen Jubiläum

im Kapitel "Die Geschichte der St. Antonius-Schützen zu Iseringhausen" von Felix Stahlhacke auf S. 34. Nun mit der Unterschrift

Die Musikerfamilie Schmidt aus Dirkingen ... aus der die so genannte "Schmidt’sche Kapelle“ hervorging“.

Diese Musikzüge hatten also eine Verbindung zu den Geschwistern Schmidt aus Dirkingen. Seit 1964 war weiter bekannt, dass Mathias Wintersohl (* 1837 in Dirkingen) einer der Dirigenten der Iseringhauser Musik war.


Im folgenden soll kurz gezeigt werden, warum das Bild der Geschwister Schmidt nicht die "Schmidt’sche Kapelle"zeigt und welche Bedeutung die Dirkinger Musiker

  • Peter Josef Schmidt
  • Mathias Wintersohl
  • Florian Wintersohl

für die Musik des Drolshagener Raumes hatten.

Peter Josef Schmidt (* 1865, + 1919)

Er war der Sohn von Peter Johann Schmidt, der um 1850 auf den Hupertz-Hof in Dirkingen geheiratet hatte. Über die Familie Schmidt in Dirkingen ist nur sehr wenig bekannt. Wann und wo Peter Josef Schmidt seine musikalische Ausbildung begann, ist ebenso unbekannt, wie der Ort, wo er als Militärmusikant diente, denn ein Bild zeigt ihn in jungen Jahren in der Uniform eines Militärmusikers. Er war jedenfalls mehr als ein Autodidakt mit Freude an der Musik. Er war es, der seinen Kindern, den oben genannten Geschwistern, die Liebe zur Musik mitgab und dem Hausorchester der Familie Schmidt vorstand. Denn

seit mindestens 1880 gab [d. Verf.] es in Dirkingen ein Hausorchester bei der Familie Schmidt, besetzt mit Geigen, Klarinette und Kontrabass

So schreibt es Josef Hesse 1982 in seiner Chronik der Schreibershofer Musik. Bei den Instrumenten stützt er sich wohl auf das Bild, das die oben genannten Geschwister Schmidt mit ihren Instrumenten in "Biekers Buchen" in Dirkingen zeigt.

Peter Josef Schmid zählte zu den Männern der ersten Stunde dieses Vereins. Aufgrund fehlender schriftlicher Quellen lässt sich ein ‚Gründungsjahr’ der Drolshagener Musik nicht nennen, erst 1926, als man sich der neu gegründeten Freiwilligen Feuerwehr anschloss, wird sie fassbar. Da man sich jedoch nicht mit der ersten Probenstunde als Musikverein der Feuerwehr etablieren kann, dürften die ersten Proben und ein Zusammenfinden der Musikbegeisterten schon einige Zeit früher erfolgt sein. Wenn man nun weiter liest, dass die Proben der Drolshagener Musik bis 1902 im Haus von Peter Josef Schmidt in Dirkingen stattfanden, schließt sich der Kreis. Aus gutem Grund übte man in Dirkingen. Denn dort gab es neben den Männern der ersten Stunde auch das"Hausorchester der Familie Schmidt". Auch wenn der Kreis sicher nicht bis 1880 geschlossen werden kann, so zeigt es doch die Bedeutung dieser Familie für die ersten Jahre der Drolshagener Musik.

In dieser Zeit wurden die Kapellen gewöhnlich nach ihrem musikalischen Leiter benannt, weshalb die Drolshagener Musik bis mindestens 1906 nach ihrem Dirigenten Peter Josef Schmidt als "Schmidt’sche Kapelle" bezeichnet wurde. Damit war die Schmidt’sche Kapelle unzweifelhaft die Drolshagener Musik. Das Bild der Geschwister Schmidt zeigt deshalb nicht die Schmidt’sche Kapelle, sondern die Kinder des "in Dirkingen wohnhaften Kapellmeisters namens Schmidt" (1900). Offensichtlich wurde hier ein bekannter Sachverhalt, der den Zeitzeugen in dem Begriff "Schmidt’sche Kapelle" noch bekannt war, mit dem Bild der Kinder von Peter Josef Schmidt mit ihren Instrumenten verbunden. Die auf dem Bild gezeigten Geschwister wurden zwischen 1891 und 1901 geboren und das Bild etwa zur Zeit des ersten Weltkrieges aufgenommen! Mit diesem Bild auf ein "seit mindestens 1880" bestehendes Hausorchester zu schließen ist falsch.
Versucht man für die Drolshagener Musik eine lückenlose Reihe der Dirigenten zu finden, so müsste Peter Josef Schmid aus Dirkingen bis 1911 Dirigent dieser Musik gewesen sein, denn in diesem Jahr, am 26. Februar 1911, verschönerte die "Schmidt’sche Kapelle" den Rüblinghauser Schützenball. Dagegen sprechen aber einige Gründe. Heinrich Alterauge aus Drolshagen, einer der Gründer dieser Musik, erinnert sich, dass die Kapelle seit 1906 "Kick’sche Kapelle" hieß und in der Zeit von 1902 bis 1906 ohne festen Dirigenten war. So problematisch Erinnerungen mitunter auch sein mögen (s. o.), ein weiterer Grund könnte für die Richtigkeit der Aussage sprechen. Von 1898 bis 1906 – also zeitgleich! - war Peter Josef Schmid aus Dirkingen auch Dirigent der Iseringhauser Musik.

Dirigent der Iseringhauser Musik 1898 - 1906

Auf die Gründung dieser Musik soll weiter unten noch genauer eingegangen werden. Für Peter Josef Schmid hieß diese Aufgabe zusätzlich mindestens einmal in der Woche von Dirkingen zu Fuß nach Iseringhausen zu gehen, um dort mit den Musikern in  "Schulten Haus" zu üben. Fester Bestandteil der Iseringhauser Musik waren die Teilnahmen an den auswärtigen Schützenfesten und den kirchlichen Prozessionen, wozu seit mindestens 1891 auch die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession in Eckenhagen gehörte, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen. Das bedeutete für Peter Josef Schmid, die Probentermine innerhalb einer Woche zwischen beiden Vereinen abzustimmen und die auswärtigen Termine beider Musikvereine, die fest vorgegeben waren (Schützenfeste, kirchliche Feiertage usw.), so zu wählen, dass er so oft wie möglich als Dirigent dabei sein konnte. Das würde gut zu den Erinnerungen von Heinrich Alterauge passen. Denn neben der Musik hatte Peter Josef Schmidt in Dirkingen noch eine Familie und eine kleine Landwirtschaft. Die Liebe zur Musik muss schon groß gewesen sein, wenn er solche Mühen auf sich nahm, die niemanden reich machen konnten.
Seine letzte Erwähnung als Musiker und Dirigent war die o. g. Teilnahme am Rüblinghauser Schützenball 1911. Von seinen Kindern, die sicher alle ein Instrument spielen konnten, trat keines in die Fußstapfen des Vaters. Jedenfalls findet sich keine Spur von ihnen in den Musikvereinen des Drolshagener Landes.

Mathias Wintersohl  (* 1837 in Dirkingen, + 1926 in Siebringhausen )

Johann Heinrich Wintersohl aus Halbhusten heiratet 1834 durch die Ehe mit Maria Elisabeth Halbfas auf den Halbfas-Hof in Dirkingen ein, wo die Wintersohls fortan den Doppelhof mit der oben genannten Familie Schmidt bewohnten. Beide Familien lebten von ihrer kleinen Landwirtschaft. Am 01.01.1837 wurde den Eheleuten Wintersohl das einzige Kind, Heinrich Mathias, geboren. Dieser heiratete am 28.08.1857 Anna Maria Maiworm aus Siebringhausen. Da Anna Maria den elterlichen Hof erbte, der größer war, als der Hof in Dirkingen, zog Mathias nach Siebringhausen und verpachtete den Dirkinger Hof.
Auf dem Hof in Siebringhausen wurde im Nebenerwerb eine kleine Stellmacherei betrieben, in der Ackerwagen und landwirtschaftliches Gerät aus Holz hergestellt wurden, was ihm den alten Sieberinghauser Familiennamen „Wageners“ einbrachte, der Namengebend für die Drolshagener Musik werden sollte.
Sein zweiter Sohn, Paul Florian, zog 1886 mit seiner Frau wieder auf den Hof nach Dirkingen und setzte nach 29 Jahren Unterbrechung die Wintersohl-Linie in Dirkingen fort. Das erklärt auch, warum Mathias Wintersohl in der Literatur sowohl als "von Dirkingen", als auch "von Siebringhausen" erwähnt wird, was noch mehr für seinen Sohn Florian gilt.

Auch bei Mathias Wintersohl bleibt unbeantwortet, woher er seine musikalischen Fähigkeiten hatte. Jedoch zog es ihn noch lange von Dirkingen in den Huster Grund, aus dem seine Großeltern, Adam und Catharina Wintersohl, stammten. Als Mathias 11 Jahre alt war, starben sein Großvater Adam Wintersohl und ein Jahr später seine Großmutter Catharina Wintersohl. Dennoch zog es ihn weiter in den Huster und später in den Iseringhauser Grund. Seine Tante Maria Magdalena Wintersohl heiratete 1831 den ebenfalls in Halbhusten wohnenden Stellmacher und Schmied Caspar Anton Schulte. Aus dieser Ehe ist der Sohn Adam Schulte hervorgegangen, der als Vetter von Mathias Wintersohl diesem im Amt des Dirigenten der Iseringhauser Musik folgen sollte. Vielleicht war es diese und die Bekanntschaft zu anderen Musikern, die Mathias Wintersohl immer wieder von Dirkingen nach Halbhusten und Iseringhausen ziehen ließ.
Wie noch zu zeigen sein wird, stammt der Ursprung der Iseringhauser Musik von Halbhusten!
Dies alles muss umso mehr erstaunen, da Mathias Wintersohl in der Zwischenzeit nach Siebringhausen verzogen war und nun den noch längeren und mehrere Stunden dauernden Fußmarsch von Siebringhausen bis nach Halbhusten und Iseringhausen in Kauf nahm, bepackt mit den nötigen Instrumenten und dem erforderlichen Notenmaterial, bei Wind und Wetter bei Sommer und Winter. Da das Ehrenmitglied der Iseringhauser Musik, Willi Nebeling, berichtet, dass "zwei Männer aus Sieberinghausen nach Halbhusten kamen und ... in Schulten Haus ... geprobt" wurde und der Mitbegründer Wilhelm Stracke erzählte, dass "vor der Gründung des Musikvereins die Sieberinghauser auf dem (Iseringhauser, Anm. d. Verf.)Ümmegang“ gespielt" haben, handelte es sich unzweifelhaft um Mathias Wintersohl aus Siebringhausen. Die Zahl der auswärtigen Musiker in Iseringhausen wird mit 3 bis 4 Mann angegeben, so dass vermutet werden kann, dass es neben Mathias Wintersohl auch seine Söhne Florian und Paul waren, die auch später als Musiker anzutreffen sind.

Mitbegründer und erster Dirigent der Iseringhauser Musik 1889 - 1893

Schon vor der Gründung der Iseringhauser Musik (1889) war Mathias Wintersohl von 1876 bis 1883 Empfänger der Gelder für die  "Musiker" , die durch Musik und Gesang die Messen in Iseringhausen verschönerten.
Das der traditionelle "Iseringhauser Umgang" Ausgangspunkt für die Gründung dieses Musikvereins war, bestätigt sich auch dadurch, dass Mathias Wintersohl mit seinen musikinteressierten Freunden keinen Verein in Halbhusten sondern eben in Iseringhausen gründete, wo er schon seit Jahren mit 3 bis 4 auswärtigen Musikern bei diesem Umgang gespielt hatte. So ist es bezeichnend, wenn von den 6 Gründungsmitgliedern nur zwei aus Iseringhausen kommen aber drei aus Halbhusten. Wie stark dieser ‚auswärtige’ Einfluss war, zeigt sich auch daran, dass nach Mathias Wintersohl dessen Vetter Adam Schulte aus Halbhusten und nach diesem der oben genannte Peter Josef Schmidt aus Dirkingen den Dirigentenstab der Iseringhauser Musik übernahm.

Erster Dirigent der Drolshagener Musik 1896 – 1900 „Wageners Kapelle“

Wie schon gesagt, führte der Weg von Siebringhausen nach Iseringhausen immer auch am Haus seines Sohnes Florian vorbei, der mit dem oben genannten Peter Josef Schmidt zusammen das Doppelhaus in Dirkingen bewohnte. Natürlich wird es dabei immer wieder zum gemeinsamen Musizieren gekommen sein, bei dem sich beide Familien beteiligten. Inwieweit Mathias Wintersohl in Dirkingen auch Unterricht gab, wie es in Siebringhausen der Fall war, bleibt ebenso unklar, wie die Frage, ob die Proben einer entstehenden Drolshagener Musik schon damals im Doppelhaus Schmidt/Wintersohl durchgeführt wurden. Einiges spricht dafür, denn Mathias Wintersohl übernahm bis 1900 als Dirigent die Leitung der Drolshagener Musik. Der Ehrendirigent Josef Kick erinnert sich

bevor die Drolshagener Kapelle ‚Schmidt’sche Kapelle’ hieß, wurde sie Wageners Kapelle’ genannt. Dieser Name rührt her von Mathias Wintersohl aus Siebringhausen ... geprobt wurde bis 1902 im Hause Schmidt in Dirkingen

Hier erscheint der Hausname, den Mathias Wintersohl in Siebringhausen erhalten hatte, und der für Dirkingen noch eine besondere Rolle spielen sollte.
Doch gerade so, als ob er mit dieser Arbeit noch nicht genug hatte, engagierte er sich auch in der Ausbildung des jungen Nachwuchses.

Schreibershof 1892

Neben seiner Dirigententätigkeit unterrichtete Mathias Wintersohl in seinem Haus in Siebringhausen seit etwa 1890 den erst 22-jährigen Wilhelm Bieker aus Schützenbruch im Umgang mit der Klarinette. Dieser wurde dann der Gründer und Initiator der Schreibershofer Musik, die 1892 ins Leben gerufen wurde. Neben dem Einzelunterricht fand man sich aber auch

zum gemeinsamen Musizieren im Haus des Gemeindevorstehers Wintersohl

zusammen, wie sich die Älteren erinnern. Das darunter auch die späteren Mitbegründer der Schreibershofer Musik waren, kann als sicher angenommen werden.
Neben dieser Gruppe kam am Sonntag auch immer wieder der Sohn Florian von Dirkingen nach Siebringhausen, um mit den "Schreibershofern" zusammen im Haus seiner Eltern zu musizieren. Schließlich hatte er den halben Weg dieser Strecke schon durch den sonntäglichen Kirchgang nach Drolshagen zurückgelegt. Florian Wintersohl war dann auch eines der ersten Mitglieder, denn "zur Kerntruppe gehörte auch der Tenorist „Flohr“ aus Dirkingen". Auch er nahm, wie sein Vater, aus Liebe zur Musik sehr weite Wege in Kauf. Mit seinem Sohn Florian hatte Mathias Wintersohl einen würdigen Nachfolger erhalten.

 

Florian Wintersohl
(* 1858 in Siebringhausen, + 1932 in Dirkingen)

Nicht nur seine musikalischen Kenntnisse, sondern auch seine Statur verhalfen Florian Wintersohl seine Militärzeit beim Garderegiment in Potsdam abzuleisten. Hier war er als  "Hornist" (militärischer Dienstgrad der Militärmusik) tätig und erhielt den letzten musikalischen Schliff. (BILD) Damit war er nach seiner Dienstzeit in den überall im Drolshagener Land entstehenden Musikzügen ein gern gesehenes Mitglied.

Gründungsmitglied der Schreibershofer Musik 1892

Nicht nur die Schreibershofer wussten noch vom "Tenor Wintersohl" zu berichten.
Wie schon erwähnt, war er Mitbegründer und Mitglied der Schreibershofer Musik, obwohl er zu dieser Zeit schon wieder von Siebringhausen auf den väterlichen Hof nach Dirkingen zurückgekehrt war.

Gründungsmitglied der Drolshagener Musik 1896/97

In Dirkingen bewohnte Florian das Doppelhaus mit der Familie Schmidt, und traf mit diesen auf eine ebenso musikbegeisterte Familie. Bei den Proben der Drolshagener Musik, die im Haus Schmidt stattfanden, wurde man schnell auf den "Hornist Wintersohl" aufmerksam. So wurde er auch Gründungsmitglied des in der Gründung begriffenen oder schon gegründeten Musikzuges Drolshagen.
Im Gegensatz zu seinem Vater drängte es Florian Wintersohl aber ebenso wenig wie die Kinder von Peter Josef Schmidt zur Dirigententätigkeit. Es ging sogar soweit, dass Florian zwar Notenmaterial für das "Tenorhorn" selbst herstellte, gern an den Proben der Musik teilnahm, nicht aber an auswärtigen Veranstaltungen, so dass er auf keinem Bild der Drolshagener Musik zu sehen ist. Auch seine Söhne folgten ihm und Paul Wintersohl spielte lange Jahre in der Drolshagener Musik.

Die Musik sorgte für den Hausnamen Flors!

Nur am Rande sei noch erwähnt, das der Hausname der Familie Wintersohl in Dirkingen, „Flors“, sein Entstehen den musikalischen Aktivitäten verdankt.
Während die anderen Hausnamen in Dirkingen bis in das 18. Jahrhundert zurück reichen, handelt es sich bei „Flors“ um eine Kurzform des Namens Florian. In der Drolshagener Musik fanden sich schließlich sowohl die Söhne von Florian Wintersohl aus Dirkingen, als auch die Söhne seines Bruders, Albert, aus Siebringhausen.
In der Tornisterzeitschrift „Min Draulzen“, der „Wochenschrift für unsere Krieger“ vom 07. Juli 1918 ist zu lesen:

Am Feste Maria Heimsuchung waren bei der Prozession als Musikanten tätig: Wilhelm Bieker aus Schützenbruch (Es-Klarinette), Anton Neuhaus aus Schützenbruch (2. Trompete), Fritz Grütz aus Schreibershof (Baß), dessen Sohn Fritz (Klarinette), Franz Stupperich aus Schreibershof (1. Trompete), Albert Wintersohl aus Siebringhausen (1. Trompete), Josef Wintersohl aus Siebringhausen (1. Tenor-Horn), Paul Wintersohl aus Dirkingen (2. Tenor-Horn). ...


(Albert Wintersohl aus Dirkingen diente zu dieser Zeit als Soldat und starb 1918 in Frankreich)
Nun musste man zur Unterscheidung der vielen Wintersohls einen Beinamen anfügen. Wie im Sauerland üblich, diente dazu der Hausname, während die Siebringhauser die „Wageners“ waren, wurden die anderen schnell die „Flors Jungen“ aus Dirkingen. An diesen Hausnamen konnten sich auch noch die Gründer der Schreibershofer Musik erinnern.
So fand dieser Beiname durch die Musik nicht nur seinen Weg nach Drolshagen sondern auch nach Dirkingen, wo er den viel älteren Hofnamen „Elemes“ oder „Erlemes“ verdrängte.

Nicht unerwähnt bleiben sollen natürlich die anderen musikbegeisterten Dirkinger, die sich auf den alten Bildern finden. Aus jeder Familie waren welche dabei. Adam Nebeling spielte zum Beispiel 13 Jahre lang in der Iseringhauser Musik. Erst mit dem Ende des I. Weltkrieges beendete er diese Leidenschaft.

Schlussbetrachtungen

Zum Schluss bleibt nur die Frage, woher die besondere Musikalität in den Familien Schmidt/Wintersohl kam? Sie bleibt unbeantwortet. Aber wer nach der harten Knochenarbeit in der Landwirtschaft auf den hängigen und steinigen Fluren von Siebringhausen und Dirkingen noch Lust verspürte mit Gleichgesinnten in einer engen Wohnstube zusammen zu sitzen und bis in die Nacht zu musizieren, dem muss man schon viel Begeisterung zu billigen. Dazu gehörte auch noch die Bereitschaft, mehrere Stunden Fußmarsch in Kauf zu nehmen, um die verschiedenen Proben, Unterrichte und Veranstaltungen, auf denen man spielte, zu erreichen. Darüber hinaus mussten nicht nur die Instrumente angeschafft, bezahlt und unterhalten werden, sondern auch das erforderliche Notenmaterial ohne großen finanziellen Aufwand hergestellt werden. Mathias Wintersohl schrieb die erforderlichen Noten für jedes Instrument aus einem Orgelbuch um. Ebenso sein Sohn Florian, von dem solche Aufzeichnungen noch vorhanden sind.
Bei Mathias Wintersohl fällt zu dem noch auf, dass er erst in späten Jahren, als der Hof in Siebringhausen an den Sohn übergeben war, zu dem sozialen Engagement fand, für das er vorher wohl keine Zeit hatte. Bevor er 1892 Stellvertreter des Gemeindevorstehers Heinrich Lorenz Theile-Ochel aus Buchhagen wurde, war er schon Mitglied der Gemeindevertretung Drolshagen-Land. Im Alter von 66 Jahren übernahm er 1903 das Amt des Gemeindevorstehers. Als er 1915 in eine dritte Amtszeit gewählt werde sollte, erklärt er,

dass er bei seinem hohen Alter von 78 Jahren keine Wiederwahl annehmen werde

In genau diese Zeit von vor 1892 bis 1915 fällt auch seine größte musikalische Aktivität. Dabei fällt auf, dass er von 1889 – 1893 Dirigent der Iseringhauser Musik war, bis 1892 Wilhelm Bieker unterrichtete, bis dieser die Schreibershofer Musik gründete, und von 1896/97? – 1900 erster Dirigent der Drolshagener Musik war. Mathias Wintersohl kam es darauf an, neben seinen vielfältigen politischen Aktivitäten im sozialen Bereich Musikvereine für das Drolshagener Land zu organisieren und so lange zu leiten, bis diese auf eigenen Füßen stehen konnten, bevor er den Dirigenten Stab in andere Hände gab und sich um einen anderen Verein zu kümmern. Seine Liebe zur Musik muss sehr groß gewesen sein.
Am 24. Juni 1926 starb Mathias Wintersohl, ein halbes Jahr vor seinem 90. Geburtstag.
So bleibt am Schluss nur festzuhalten, was Günther Alterauge über Mathias Wintersohl schrieb:

So ist nachvollziehbar, dass Mathias Wintersohl der Ur- und Ahnvater aller musiktreibenden Vereine in Stadt und Kirchspiel Drolshagen ist. Ihm gebührt daher ein besonderer Platz in der traditionsreichen Musikgeschichte des Drolshagener Landes.
Er machte den Menschen Freude. Er ist Musiker und Humorist zugleich.
Das Drolshagener Land hat einen großen Sohn verloren.


Sicher ist, dass die Drolshagener Musikvereine den ‚Dirkinger Musikern’ viel verdanken. Sie trugen maßgeblich zur Gründung der Iseringhauser, Drolshagener und Schreibershofer Musik bei und waren teilweise in allen drei Vereinen gleichzeitig aktiv. Spätere Gründungen waren oft Abspaltungen von schon bestehenden Vereinen. Karl-Heinz Stupperich ging aus dem Musikzug Drolshagen bzw. den Musikfreunden Schreibershof hervor, bevor er nach dem zweiten Weltkrieg zum Mitbegründer und Dirigenten des Bläsercorps des Hegerings Drolshagen wurde.

 

Lürrwiese

Nur am Rande sei bemerkt, dass sich der Begriff  "Lürrwiese" vom Pächter dieser Fläche, dem Drolshagener Kirchenchor herleitet. "Lürren" ist die Plattdeutsche Bezeichnung für die Übung, Töne von sich zu geben. Dabei handelt es sich natürlich um einen Spottnamen, denn "lürren" meint auch das Heulen oder Brüllen der Tiere. Aber, wie dem auch sei, auch der Drolshagener Kirchenchor hatte die schöne Lage dieser Flächen erkannt.

 

Der Pfarrer auf dem Weg nach Iseringhausen

Natürlich gibt es bei so viel Musikalität sicher auch noch die ein oder andere Anecktode zu erzählen. Eine davon soll kurz wieder gegeben werden.

„Herr Vikar Monscheid war einmal auf dem Weg von Drolshagen nach Iseringhausen, der über den Hüsterberg und dann bergwärts durch die „Düster Brügge, unterhalb von Dirkingen, am Elperhahn vorbei, um in Iseringhausen die Messe zu lesen. Unterhalb von Dirkingen hörte er dann Musik, auch wenn er niemand sah – oder gerade deswegen – und blieb stehen, um zu hören, woher und von wem die Musik wohl komme. Sie muss sehr schön gewesen sein, denn als er endlich seinen Gang fortsetzte, musste er sich sehr beeilen und schaffte es dennoch nicht, rechtzeitig in Iseringhausen zu sein. Obwohl niemand zu fragen gewagt hätte, warum der Herr Pfarrer denn zu spät sei, erklärte er ohne Umschweife ‚Dem Dirkinger Gesang habe ich zugehört, deswegen komme ich so spät’.

 

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