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Herbert Wintersohl

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Veröffentlichungen

Veranstaltung 

Titel:
Älteste Nachrichten zu Familien des Drolshagener Landes
Wann:
30.12.2009 - 30.12.2009
Wo:
Südsauerland - Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe - Olpe
Kategorie:
Veröffentlichungen

Beschreibung

 

 

 

Älteste Nachrichten zu Familien des Drolshagener Landes

Teil I: NEBELING

Von Herbert Wintersohl

Vorbemerkung

In loser Folge sollen an dieser Stelle Nachrichten zur Geschichte einzelner Familien des Drolshagener Landes folgen. Anfragen, die mich in den letzten Jahren erreichten, haben mir gezeigt, dass das Interesse an der Familienforschung gestiegen ist. Es ist mir ein besonderes Anliegen, die Geschichte von Familien auch über die Kirchenbücher hinaus zurückzuverfolgen. Daher dürfte im Folgenden für den einen oder anderen Familienforscher, der die Kirchenbücher schon ausgewertet hat, noch Überraschendes zu finden sein.

Die Drolshagener Kirchenbücher

Die Größe der alten Pfarrgemeinde des Drolshagener Landes mit 59 zur Gemeinde gehörenden Ortschaften, von denen 1819 noch über 30% nur aus Einzel- oder Doppelgehöften bestanden, lässt den Umfang der Kirchenbücher erahnen, macht aber auch den Reiz der Familienforschung in diesem Gebiet aus. Verheiratungen nach Auswärts waren selten, so dass sich alles in dieser ‚kleinen Welt’ abspielte.

Aufgrund des zu erwartenden Umfanges der Arbeiten war eine Begrenzung erforderlich. So werden nur die ältesten Nachrichten zu den einzelnen Familien folgen. Eine zeitliche Grenze bildet die Zeit kurz nach 1700. Zu dieser Zeit hatten die Dörfer einen Umfang erreicht, der nur noch ein schwaches Wachstum zuließ und der 30 Jährige Krieg war lange genug vorbei, so dass die dadurch verursachten Veränderungen noch mit einfließen konnten. Nur in Ausnahmefällen wird auch aus jüngerer Zeit berichtet.

Die Drolshagener Kirchenbücher beginnen 1581 mit einem Buch, in dem die Eheberedungen von 1581 bis 1592 und die Beerdigungen von 1583 bis 1592 bzw. von 1623 bis 1626 vermerkt sind. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass es keine Einträge sind, wie sie Kirchenbücher späterer Zeit aufweisen. Bei den Eheschließungen sind oft nur die Namen der Brautleute vermerkt, sowohl der Wohnort als auch die Namen der Eltern fehlen. Wo solche grundlegenden Angaben fehlen, bleiben alle Aussagen zweifelhaft. Ab 1650 sind die Bücher, von kleinen Lücken abgesehen, relativ lückenlos, wobei natürlich der Umfang der Eintragung immer vom jeweiligen Pfarrer abhing.

Die alten Stammbäume der 30er Jahre

Viele Familien des Drolshagener Landes verfügen über einen Stammbaum, der in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts angefertigt wurde. Der erforderliche Nachwies der Deutschstämmigkeit führte dazu, dass auch gewerbliche „Stammbaumschreiber“ vermehrt zum Zuge kamen. Sie suchten sich entsprechende Großfamilien und boten verschiedenen Familien gleichen Namens ihre Arbeit an. Besonders unseriös hat zu dieser Zeit C. W. Wever aus Oesterau gearbeitet. Schon 1933 warnte Norbert Scheele, nachdem er die Stammbäume Ochel und Clemens überprüft hatte, vor diesen Arbeiten [1]. Heute ist diese Problematik allgemein bekannt und sollte entsprechend berücksichtigt werden.

Benutzte Quellen

Wichtigste Quelle dieser Arbeit sind die Abschriften der Drolshagener Kirchenbücher, die Norbert Scheele über Jahrzehnte angefertigt hat und nun im Stadtarchiv Olpe aufbewahrt werden [2]. Obwohl Norbert Scheele für seine Gründlichkeit über die Grenzen bekannt war, wies er immer wieder auch auf die Probleme beim Arbeiten mit Kirchenbüchern hin. „… in den umfangreichen Büchern schlechtes Papier, undeutliche Schrift und zu knappe Eintragungen leicht Grund für das Überschlagen einiger in Frage kommenden Notizen sein. Von Auswanderungen sei hier ganz abgesehen.“[3]. Alle anderen Quellen werden im Einzelnen genannt.

Bei aller Vorsicht und Gründlichkeit bitte ich doch um Nachsicht, wenn es bei den ‚Abschriften der Abschriften’ zu Übertragungsfehlern gekommen sein sollte. Bin ich auf zweifelhafte Eintragungen gestoßen, habe ich versucht, dies so weit wie möglich zu klären. Sollte dennoch jemand zu einem anderen Ergebnis kommen, würde ich mich über eine kurze Mitteilung freuen. Da Familienforschung in besonderem Maße vom Austausch lebt, möchte ich auch jeden ermutigen, sich mit mir in Verbindung zu setzen wenn er Fragen und Anregungen hat.

 

Teil I: NEBELING

Die meisten Familien mit dem Namen Nebeling verfügen über einen 1932 von C. W. Wever angefertigten Stammbaum. Auf den Wert dieser Stammbäume wurde schon hingewiesen. Um die Kosten für die Familien so gering wie möglich zu halten beteiligten sich damals die Familien Nebeling in Potzenhof, Nebeling in Brachtpe und Nebeling in Dirkingen nicht nur an den Kosten, sondern stellten auch Unterlagen zur Verfügung. So kann man heute davon ausgehen, dass viele Familien diesen Stammbaum haben dürften.

1. Älteste Nachrichten

Der nach o. g. Stammbaum erstgenannte Vorfahr ist Johann Nebeling aus Benolpe, der 1658 geboren wurde und mit Maria Hardenack verheiratet war.
Diese Linie kann um – mindestens – seinen Vater erweitert werden und die ununterbrochene Linie der Nebelings beginnt nun mit Hermann Nebeling. Dieser war seit mindestens 1655 mit Catharina Klein(e) verheiratet und wohnte in Drolshagen, weshalb sich bei seinem Eintrag der Zusatz „Civis“ (Bürger) findet.
Ein Brückenschlag zu einem um 1600 genannten „Hermann Neueling“[4] ist zwar nicht ohne weiteres möglich, da er aber auch aus Drolshagen stammt, kann unter Vorbehalt und ohne Nachweis der direkten Verbindung angenommen werden, dass der um 1600 genannte „Hermann Neueling“ von Drolshagen wohl auch der erste fassbare Vorfahr dieser Linie ist. Mut zu dieser Spekulation gibt auch die häufige Wiederholung des Vornamens Hermann, der eine Tradition der ersten Jahre darstellt. Das Register, in dem dieser Hermann das erste Mal erscheint, wurde zwar 1579 [5] im Drolshagener Kloster angelegt, trägt aber Nachträge aus der Zeit der Äbtissin Eva von Plettenberg. Da eine solche Maßnahme in der Regel kurz nach ihrem Regierungsantritt anzusetzen ist, sie selbst aber nur von 1599 bis 1602 Äbtissin war, erlaube ich mir, die Zeit für die Nachträge mit ‚um 1600’ plus minus ein Jahr anzusetzen. Es bleibt aber fraglich, woher die Nebelings am Ende des 16. Jahrhunderts kamen, als sie bei Schürmanns im so genannten „Tötgenhaus“ in Drolshagen erscheinen. 1640 heißt es über ihn „Neveling der Möller, hat zwei eigene Kühe, ein Kalb von diesem Jahr, zwei Ferkelchen und hat ausgesamt [ausgesät] 2 Mudde Hafer“ [6] damit gehörte er im 30 Jährigen Krieges zu den wohlhabenden Bürgern in der Stadt.

Wahrscheinlich während des Krieges wurde der zweite Hermann Nebeling geboren, der spätestens 1655 Catharina Klein oder Kleine heiratete. Sie starb 1672 oder früher, denn in diesem Jahr heiratet er in zweiter Ehe Maria Reprich aus Benolpe. Diese Ehe führte auch zu seinem Fortzug von Drolshagen nach Benolpe, wo sich die Reprich, oder „Repergh“, wie sie früher hießen, seit der Mitte des 17. Jahrhunderts nachweisen lassen. Es waren wohl die Eltern von Maria, die 1648 als „Goerdt Repergh und dessen Frau Trine“ im Steuerregister von Benolpe erscheinen. Sie bewirtschaften dort ein „Erbgut und Kotten“ [7], befanden sich aber in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen. Anscheinend gab es aus erster Ehe keine Kinder, denn der Name Nebeling findet sich seit dem Weggang aus Drolshagen nicht mehr in der Stadt.

Dass Hermann Nebeling aus Benolpe identisch ist mit dem Hermann Nebeling aus Drolshagen erschließt sich nicht direkt aus den Kirchenbüchern, die zwar seit 1650 geführt werden, aber oft nur das Heiratsjahr und die Brautleute, aber nicht einmal die Eltern der Brautleute geschweige denn deren Wohnort nennen. In diesem Fall haben wir das Glück, das Margarethe Nebeling, * 06.03.1661, im Jahr 1691 Heinrich Hardenack, den Sohn von Johann Hardenack, heiratete. Bei Margarethe sind zufällig die Brauteltern vermerkt „Hermann Nebeling und Catharina Klein“ aus Benolpe. Damit ist sicher, dass der bei der Geburt von Margarethe genannte „Hermann Neueling und Trina Klein; Civis“(=Bürger von Drolshagen) identisch sind. 1685 [8] erscheint Hermann Nebeling in der Benolper Steuerliste mit seiner Frau, einem Sohn und einer Tochter. Da die Kinder mit 12 Jahren steuerpflichtig wurden, handelt es sich dabei um die Kinder Margarethe, * 1661, und Johann Adam, * 1673. Am 16.01.1686 wurde den Eheleuten das letzte Kind, Johann Wilhelm, geboren. Der Pfarrer vermerkte hinter der Mutter „vidua“ (Witwe) denn der Vater, Hermann Nebeling, war ein Tag zuvor gestorben! Dies war für die Mutter ein schwerer Schlag den es gab noch mindestens drei minderjährige Kinder zu versorgen. In beiden Ehen wurden mindestens 10 Kinder geboren, so dass zur ergänzten Stammfolge zusammen fassend gesagt werden kann:

Hermann Neveling
genannt um 1600

Bürger von Drolshagen
? | ?

Hermann Nebeling
* ? Drolshagen
+ 15.01.1686 Benolpe
1. oo 1655 oder früher
Catharina Klein(e)
* ?
+ 1672 (oder früher) Drolshagen
2. oo 1673
Maria Reprich, Tochter von Gördt R. und Trine ?
* ? Benolpe
+ ? Benolpe

Kinder des Hermann Nebeling aus zwei Ehen:

  • N. N., Totgeburt oder bei der Geburt gestorben. Ungetauft wurde das Kind namenlos beerdigt.
  • Hermann, * 09.04.1656, + 26.12.1656.
  • Margarethe, * 06.03.1661, oo 1691 Heinrich Hardenack, Sohn von Johann H., Benolpe.
  • Gertrud, * 10.06.1668, + 1685 oder früher (erscheint nicht in der Steuerliste von 1685).
  • Johann Adam, * 18.02.1673, oo 27.07.1709 Maria Reprich, Tochter v. Dietrich R., Benolpe.
  • Adam, * ?, oo 03.05.1699 Margarethe “Lichterhus” [9], T. v. Johann L., Husten.
  • Elisabeth, * 20.04.1676, oo 22.01.1707 Peter Stroitz, Witwer (erste Ehe mit Anna Catharina Rüschenberg).
  • Maria Catharina, * 12.07.1682, oo 28.01.1714 Johann Hortmann, S. v. Peter H., Herpel.
  • Johann Wilhelm, * 16.01.1686
    • 1.) oo 07.08.1712 Eva Catharina Fernholtz, T. v. Hans F. und Elisabeth, Benolpe.
    • 2.) oo 16.10.1736 Elisabeth Fromme, T. v. Johann Eberhardt und Elisabeth Duduken, Langenei.

Johann Wilhelm (* 1686) baute sich mit seinem Erbteil eine kleine, ärmliche Existenz auf. Zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig könnte man seine Situation beschreiben. Das führte dazu, dass seine Kinder und Enkel vermehrt nach Ungarn auswanderten (siehe unten).
Nachdem der erstgeborene Sohn, Hermann, im Alter von 8 Monaten am zweiten Weihnachtstag 1656 starb, erhielt der zweitgeborene Sohn Johann den Hof in Benolpe. (Hier beginnt der alte Stammbaum)

Johann Nebeling
* 26.05.1658 Drolshagen

+ 26.10.1721 („Johann Nebeling, senior, Benolpe“)
oo 17.11.1688
Maria Hardenack
* Gelslingen ?
+ ??

Nur am Rande sei erwähnt, dass Maria Hardenack an diesem Tag mit ihrem älteren Bruder Johannes eine Doppelhochzeit feierte. Johannes Hardenack heiratete in zweiter Ehe die Witwe Anna Reprich, nachdem seine erste Frau, Getrud Reprich, die er 1680 geheiratet hatte, am 21.03.1687 verstorben war. Dieser Johannes Hardenack war auch der Pate des ersten Kindes von Maria Hardenack und Peter Nebeling, dem am 11.11.1685 geborenen Johann Nebeling. Dieser Johann ist später jedoch nicht mehr greifbar, so dass davon ausgegangen werden kann, dass er in jungen Jahren verstorben ist.

Von Johann Nebeling aus Benolpe besitzt die Familie Nebeling in Dirkingen noch einen kleinen, nur 17 cm x 19 cm großen Vertrag von 1691 [10]:

„Bezeugt wird durch mich, Johannes
Neweling, das ich der Kirche hab 5 Eichen
bohme abgekaufft, ein umbgefallen untter dem
Rode Felt, ein Stuecke der Halfman abgehauwen
auf der großen Drunger (?) einen ist angehauwen
auf beiden seitten, ein zu Weirmell, ein am
Wormer Wege einen von einer Wurden Dreien in
der Fohren, untüchtig weilen mit nach gut
dünken andere ahnweisen, was abfallen
tuet ahn Theller und Spahnen, was ihme ahn
Beuwen nicht zu gute kompt, soll vor
dem Halfmann sein zu Kallen (?)
hiervor will ich Johannes Neweling der Kirchen
geben 5 ½ Rdahler, ich sage sechsten halben
Reichdahler geben. Drolshagen und er sich
selbsten unterschrieben den 16. Jenner anno 1691
Johannes Nebeling war verabeusten“ [wahr wie oben steht?]

Das wirft ein bezeichnendes Licht auf Johannes Nebeling. Nur wenige konnten zu dieser Zeit, wie Johannes Nebeling, schreiben. Den zusammengefalteten Vertrag betitelte er auf der Außenseite :

„Verkauffund der Eichen
boven zum Stupper
an Johannes Neueling
vor 5 ½ Rdahler“

Dieser Vertrag gibt Grund zu der Annahme, dass auch Johann Nebeling Zimmermann war, wie es für seinen Sohn Johann Peter bezeugt ist, der 1737 am Bau der Olper Kreuzkapelle [11] und dem Bau eines neuen Hofes für seinen Schwager in Dirkingen beteiligt war. Hinter der Bemerkung „Meister“ im Stammbaum verbirgt sich also mindestens ein Zimmermann, wenn nicht sogar ein Zimmermeister. Darüber hinaus zeigt er die tiefe Religiosität dieses Mannes, der mit diesem Kauf auch eine Spende von einem Reichstaler an die Kirche in Drolshagen verband.

Als am 21. Juli 1698 [12] ein gewaltiger Hagelschlag auf Drolshagen und Umgebung niederging, schrieben der Richter und die Schöffen von Drolshagen an den Drosten in Bilstein, um eine Entschädigung für die Drolshagener Bauern zu erwirken. In diesem Zusammenhang wird ausführlich über den Schaden des „Johannes Neueling“ aus Benolpe berichtet.

Der alte Stammbaum kennt für Johann Nebeling und Maria Hardenack nur die Kinder Johann Peter, Begründer der Linie Nebeling in Dirkingen, und Johann Heinrich, Hoferbe in Benolpe. Als Geburtsdatum für Johann Peter habe ich den 17. August 1692 gefunden (Wever nennt das Jahr 1690), für Johann Heinrich den 18. Juni 1690 (Wever das Jahr 1699). Johann Nebeling und Maria Hardenack hatten aber noch folgende Kinder:

  • Johann, * ? (11.11.1685?), oo 19.10.1721 Catharina Heidschötter, T. v. Johann H. und Lucia Göbbel, Kirchhundem.
  • Dietrich, + als Kind.
  • Elisabeth, + 16.03.1689, als Kind, genannt „Else“.
  • Hermann, + 04.03.1696 als Kind (Hermann = Familientradition!).
  • Johann Dietrich, * 24.01.1694, + als Kind.
  • Dietrich, oo 17.02.1718 Catharina Alperscheid, T. v. Caspar A. und Margaretha Bröcher, Alperscheid.
  • Hermann Conrad, * 06.07.1698, oo 11.06.1726 Elisabeth Bröcher, T. v. Heinrich B. und Angela Valpertz, Wormert.

Damit dürfte Johann Heinrich der älteste überlebende Sohn gewesen sein. Er erbte den elterlichen Hof in Benolpe als er am 28.10.1725 Anna Maria Kamp, Tochter von Gört K. und Greite (Margarethe) Wolfschläger aus Benolpe heiratete. Sein Bruder Johann Peter verheiratete sich 1720 durch die Ehe mit Anna Maria Bieker nach Dirkingen in das Anwesen von Caspar Bieker.

2. Auswanderungen nach Ungarn

1718 wurde das Banat, die niederungarische Tiefebene zwischen den Flüssen Marosch, Theiß und Donau, von Österreich in Besitz genommen und es erfolgte der Wiederaufbau des verwüsteten und entvölkerten Landes. Während die erste Besiedelungsperiode hinter dem erwarteten Erfolg zurück blieb, erfolgte ab 1740 die Zweite, die so genannte Theresianische Banatbesiedlung. Ihren Höhepunkt erreichte diese Periode zwischen 1763-72 in der etwa 40.000 Deutsche ins Banat zogen. Die Siedler zogen über Mainz, Würzburg, Regensburg und Wien, was zwischen 25 und 27 Tagen dauerte, wurden dort registriert und es ging zuerst auf der Donau und dann zu Fuß weiter bis ins Banat, was weitere 15 Tage dauern konnte [13].

Wie schon gesagt, waren es die Kinder von Johann Wilhelm Nebeling (* 1686), die als erstes dem Ruf der Werber folgten. Ihr Vater unterhielt in Benolpe eine sehr kleine Landwirtschaft, die höchstens einem der mindestens fünf Kinder eine schwierige Existenz sichern konnte. Als Nachgeborene hatten sie deshalb nichts zu erwarten.

Maria Catharina Nebeling, * um 1726, + 29.01.1767 Billed/Ungarn, oo 22.01.1760 Christoph Camp, S. v. Anton K. und Margarethe Zeppenfeld aus Benolpe.
Aus dieser Ehe stammten die Kinder Johann Wilhelm, * 14.11.1762 und Johann Theodor, * 15.12.1765. Eltern und Kinder erhielten am 22.02.1766 ein Zeugnis zur Auswanderung nach Ungarn. Christoph Camp oo 03.03.1767 in zweiter Ehe Elisabeth Hoffmann [14].

Elisabeth Margarethe Nebeling, + um 1767 in Hatzfeld/Ungarn, oo 1763? Johannes Xaver Gastrich, S. v. Johann G. und Elisabeth Schürholtz, * 13.12.1739 Drolshagen.
Die Eltern und ihr Kind, Johann Heinrich, * 06.02.1764, zogen nach erhaltener Genehmigung am 11.02.1766 ebenfalls nach Ungarn. Nach dem Tod seiner Frau heiratet Xaver G. am 19.11.1768 Maria Katharina Schuld. Der Sohn Peter Anton wurde am 13.07.1779 getauft. Die Tochter Gertrud ehelichte am 05.05.1789 in Hatzfeld ein Peter Christian Womerad aus Baden. Eine weitere Tochter, Anna Elisabeth, starb in Hatzfeld im Alter von 21 Jahren am 26.03.1793.

Mögen die ersten Siedler aus Benolpe noch dem Berufswerber Johann Georg Kress aus Hessen gefolgte sein, so entwickelte sich hieraus ein Sog. Nicht wenige gaben später in Wien den Wunsch an sich „bei ihren Befreundten“ anzusiedeln. Hier scheinen also die guten Nachrichten der ersten Kolonisten als Antrieb gewirkt zu haben. Der Sog hielt über eine lange Zeit an. Noch in der folgenden, der so genannten Josephinischen Siedlungszeit (1782-1786), wanderten Mitglieder der nächsten Generation der Familie nebeling aus.

Aus Benolpe folgten in der Theresianischen Besiedlung:

Anna Margarethe Nebeling, T. v. Adam N. und Margarethe Lichternich, * um 1707, + 26.02.1767 in Billed/Ungarn, oo 30.01.1736 Johann Adam Mühlhaus, S. v. Johann Nicolaus M. und Maria Sibilla Herz, * Benolpe, + 1767 oder früher in Billed/Ungarn.
Es wurden vier Kinder geboren:

  • Angela Maria, getauft: 02.05.1740, + 30.05.1771 in Billed/Ungarn
  • Elisabeth, get.: 18.07.1743
  • Johann Wilhelm, get.: 28.08.1746
  • Johann, get.: 15.03.1750,

Die zwei Jüngsten zogen im April 1766 mit nach Ungarn. Die älteste Tochter Angela Maria oo 27.04.1762 Johann Heinrich Ochel, S. v. Jodocus O. und Anna Gertrud Ohm, * 27.01.1743 in Rüblinghausen, + 1771 oder früher in Billed/Ungarn. Die Eltern zogen mit dem am 11.09.1763 geborenen Sohn Johann Josef im November 1766 nach Ungarn.

Johann Wilhelm Nebeling (* nach 1726), S. v. Johann Heinrich N. und Anna Maria Kamp, * Benolpe, + Sakkelhausen/Ungarn?.
Nach den Unterlagen aus Wien wurde er dort am 31.05.1766 alleine erfasst. In Drolshagen ist allerdings seine Eheschließung mit Elisabeth Köster. T.v. Martin K. und Anna Hollbrack aus Hohl, Pfarrei Eckenhagen, am 27.11.1765 vermerkt. Ihre Tochter Eva Katharina starb am 25.09.1766 in Sakkelhausen im Alter von neun Monaten. Bereits am 14.01.1761 hatte Johann Wilhelm Nebeling seinen Erbteil in Benolpe an seinen Bruder Jakob, der mit Anna Maria Stamm aus Alperscheid verheiratet war, verkauft. Auf der Rückseite dieses Kaufvertrages ist von späterer Hand vermerkt, dass Johann Wilhelm Nebeling die Kaufpreisforderung an die Kirche in Drolshagen abgetreten habe, weil er „nunmehro aber in Ungarn ziehe“.

In der Josephinischen Besiedlung folgten:
Anna Margarethe Stamm, T. v. Anna Margarethe Nebeling und Caspar Stamm, oo 28.08.1774 Johann Peter Camp, S. v. Johann C. und Magdalena Reprich, Benolpe. Das Ehepaar erhielt 1785 sein Zeugnis zur Auswanderung.
Diese Anna Margarethe Nebeling war eine Cousine der gleichnamigen oben genannten, die 1766 mit ihrem Mann Johann Adam Mühlhaus ausgewandert war.

Das alles führte dazu, dass aus dem kleinen Ort Benolpe allein in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts neun Familien auswanderten. Aus 13 weiteren Ortschaften des Drolshagener Landes wanderten zusammen nur 35 Familien aus, Damit lag Benolpe als Auswandererdorf weit an der Spitze [15]. Aber der Preis, den die ersten Siedler zahlten, war hoch. Rund 30% fielen dem Sumpffieber, der Pest und der Cholera zum Opfer. Viele von ihnen erkrankten schon auf der Fahrt von Wien auf der Donau, so dass sie gerade zum Sterben ihre neue Heimat erreichten. Nicht ohne Grund sprach man vom „Grab der Deutschen“ im Banat.

 

Fußnoten:

  1. Scheele, Norbert: Ein Stammbaum? In: HBO, 10. Jahrgang, 1933, S. 158-159.
  2. An dieser Stelle möchte ich dem Stadtarchivar von Olpe, Herrn Wermert, für die freundliche Unterstützung noch einmal recht herzlich danken.
  3. Scheele, Norbert: Ein Stammbaum? In: HBO, 10. Jahrgang, 1933, S. 158-159.
  4. Hesse, Josef: Drolshagen – Bilder einer Stadt, Hrsg.: Stadt Drolshagen. Köln 1977. S. 45.
  5. Ebenda.
  6. Scheele, Norbert: Wirtschaftliche Verhältnisse der Bewohner der Stadt Drolshagen als Schatzungs- und Kontributionsunterlagen 1640. In: HSO 91 (1973), S. 96-103
  7. Scheele, Norbert, Steuerpflichtige Einwohner der Bauerschaft Husten bei Drolshagen 1648/64 u. 1685 In: HSO, 57 (1964), S. 186-190.
  8. Ebenda.
  9. Der Familienname findet sich nur 1664 im Rauchschatzregister von Husten mit „Johannes Lichternis“ (Scheele, Annelene: Husten – Geschichte eines Dorfes im Drolshagener Land. Hrsg.: Heimatverein für das Drolshagener Land. Olpe 1994. S. 267). Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass am 04.06.1706 bei der Eheschließung der Angela „Lichternicht“ von Iseringhausen mit Johann Hupertz (Sohn von Thonis Hupertz, vom Wigger in Iseringhausen) Johann Adam Nebeling aus Benolpe der Trauzeuge war.
  10. Für die freundliche Überlassung von Unterlagen sei an dieser Stelle der Familie Hans-Gerd Nebeling in Dirkingen noch einmal ganz herzlich gedankt.
  11. Schöne, Manfred: 250 Jahre Kreuzkapelle in Olpe. In: HSO 149 (1987), S. 206-219.
  12. Scheele, Norbert: Gewaltiger Hagelschlag in Drolshagen 1698. In: HSO 72 (1968), S. 116ff.
  13. Treude, Friedhelm: Die Auswanderung aus dem kurkölnischen Sauerland im Zuge der Theresianischen Banatbesiedlung 1763 – 1772. Hrsg.: Der Oberkreisdirektor des Kreises Olpe, Olpe 1988. (=Schriftenreihe des Kreises Olpe, Nr. 14).
  14. Soweit nicht anders vermerkt, stammen die Daten zu den Auswanderern von: Treude: Die Auswanderung (wie Anm. 13); Scheele, Norbert: Auswanderungen nach Ungarn aus dem Amte Drolshagen. In: HBO 12. Jahrgang, (1935), Nr. 4/6, S. 38-41; Scheele, Norbert: Auswanderungen nach Ungarn in den 178oer Jahren aus dem südlichen Sauerlande. In: HBO 13. Jahrgang (1936), Nr. 11/12, S. 109-110; Niemann, Helmut: Auswanderungen aus dem Amte Drolshagen zur Zeit der theresianischen Ansiedlung im Banat. In: HBO, Jahrgang 13 (1936). S. 44-46. Die Daten wurden, soweit möglich, überprüft. Einige Differenzen konnten jedoch nicht geklärt werden. 15
  15. Treude: Die Auswanderung (wie Anm. 13). S. 10ff.
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