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Herbert Wintersohl

Veranstaltung 

Titel:
Land und Leute
Wann:
01.03.2001 - 01.03.2001
Wo:
BBV - Altenstadt
Kategorie:
Vorträge

Beschreibung

Heute abend will ich etwas erzählen über Land und Leute in und um Altenstadt und als zweiten Teil etwas über die "Templer-Kreuze" von Altenstadt und was es damit auf sich hat.

Will man sich ein Bild von einem Dorf machen, wie es vor 200, 300 oder 400 Jahren ausgesehen hat, so ist dies schon deshalb schwer, weil sich der Ort nur im heutigen Aussehen darstellen kann. Will man sich vorstellen, wer die Menschen damals waren und wie sie lebten, was sie prägte und auszeichnete, welchen Charakter dieses Land und das Dorf den Menschen gab, so muß man sich den wenigen erhaltenen Beschreibungen zuwenden, die etwas darüber aussagen. Denn früher hatten die Leute weder die Zeit noch die Möglichkeiten etwas aufzuschreiben. Schon gar nicht über sich selbst, so daß die Berichte mit Masse von Leuten stammen, die nicht in Altenstadt wohnten.
Der Ort, um den es heute geht - Altenstadt - oder besser gesagt ‘Alt-Schongau’, war vor Jahrhunderten ein Dorf, in dem die Menschen ebenso hart um das tägliche Brot kämpfen mußten, wie in anderen Gebieten Oberbayerns, wo das schlechte Wetter sie ebensowenig verschonte wie der Mißwachs oder persönliche Unglücksfälle, man mit 50 Jahren am Ende seiner Kräfte war und den Hof, wie schon Generationen vor einem, an die Kinder weitergab.
Es war um nichts anders, wie in anderen Orten, die den verschiedensten Klöstern der Umgebung gehörten. Die nächste Stadt war Schongau. Dort ging man zum Markt, dort konnte man Dinge kaufen, die es im Ort nicht gab und den Arzt holen, wenn man sich keinen Rat mehr wußte. Dorthin konnte man aber auch gehen, wenn man sein Recht haben wollte, denn der Landrichter, dem man unterstand, befand sich ebenfalls in Schongau.

Das Pfleggericht Schongau mit Anschluß der sogenannten Jurisdictions Ortschaften betrachtet, ist über Steingaden hinaus und auch gegen Hohenpeißenberg zu zwar nicht gebirgig, jedoch aber uneben und mit Hügeln angefüllt; hat auch vieler Theils waldige, theils nasse und sumpfige Plätze und Gegenden, und mithin zum Theil der hier angezeigten Ursachen wegen und zum Theil wegen der Nachbarschaft der Hochgebirge noch ein rauhes Clima und Luft.

So steht es in einer statistischen Landbeschreibung von 1798.

Josef Hazzi, einstmaliger kurpfalzbairischer Landesdirektor, berichtet aus der Zeit um 1800 in seinen „Statistischen Aufschlüssen”:

Das Terain besteht meist aus Gries Sumpf und Filz nebst einigem Gehügel, oder zwischen den Wasserablässen aufgeschwemmte Erde. Die Häuser sind beinahe alle von Holz und nur an einigen die untere Führung gemauert, und liegen meistens einzeln und zerstreut.

Es könnte ein verzerrtes Bild entstehen, wenn man nur die ‘hohen Beamten aus München’ zu Wort kommen ließe, ohne ihnen die Worte derer gegenüber zu stellen, die dort lebten, worüber sie schrieben. Der Landrichter von Landsberg vermerkte 1806:

Das Oberland „ist selbst theils sandigt und leimicht, trocknet dem Landmann nur mit stiefmütterlicher Hand seinen Schweiß von der Stirne und verbrennt leicht bei heißer Witterung oder steht bei nasser Witerung ab. Die Fruchtbarkeit verhält sich zum Ausbau ... wie 1 zu 3 oder aber auch nur 1 zu 2.

Ein ähnlich düsteres Bild zeichnet der Pfarrer von Entraching 1798:

Vom Schauer wird beinahe alle zwei Jahre einiger ... Schaden angerichtet. Die Roggenblüte leidet gewöhnlich vom Reif, und der Fesen vom Brande.

Ein unbekannter bayerischer Beamter, der mit der Abwicklung der durch die Säkularisation an den Staat gefallenen kirchlichen Vermögen beauftragt war, schrieb unter ein "Verzeichnis der Restanten der Klöster ..." 1804 tief betroffen:

Zum Vermögensstand hiesieger Unterthanen als einer der ärmsten. Wenig sind, die ein Getreid verkaufen können, sie müssen nur den Samen und den Sprieß zu erhalten wünschen, [die] Handarbeit ein gar schreckliche und ein gar wenig Holz ist die einzige Quelle woher sie sich ... mit ihrer Hände nähren müssen. Die allgemeine Armut muß Mitleid erregen und wer hiesige Unterthanen wochenlang bei Wasser und Brot und rauher Kost anleiden sieht, muß wahrhaft [die] Bewohner dieser Gegend bedauern.

Der ehrlichste und am wenigsten ergebnisorientierte kurze Bericht.

Wenn man diese Berichte von einer scheinbar so menschenfeindlichen Gegend ließt, kann man nur froh sein, daß sich hier überhaupt Menschen angesiedelt haben. Und weil dem sowar, will ich ihnen nun aufzeigen, was für eine Menschenschlag hier geprägt wurde.

Die Menschen

Das bairische Volk ... bleibt gern daheim und zieht nicht viel zu Feld in fremde Länder. Der letzte Stand ist derer, die auf dem Lande in Dörfern und Gehöften wohnen und daselbe bebauen und deshalb Landleute genannt werden. Ihre Lage ist ziemlich bedauernswert und hart.” Der Landmann „Tuet sonst was er wil, sitzt Tag und Nacht bei dem Wein, schreit singt tanzt Kart spilt; mag Wer [=Waffen] tragen, schweinspieß und lange Messer; grosse und überflüssige Hochzeit, Totenmal und Kirchtag haben, ist ehrlich und unsträflich, raicht kainem zum nachtail, kumpt kainem zu übel...

So beschrieb 1520 der Humanist Johannes Boemus das "Landvolk" in Bayern. Und der uns schon bekannte Hazzi darf hier nicht fehlen.

Die Bewohner dem Karakter als der Kleidung nach das Gepräg der Mischung, halb schwäbisch halb bairisch, daher über sie nichts besonders zu sagen ist, als daß die Bauern fast leidlich gekleidet gehen, dabey aber wenig Wohlstand äußern. Von Dieberei und Wildpretschießen hört man häufig. Zuvieles trinken ist ihnen so ziemlich zur Gewohnheit geworden

Als sich der junge bayerische Kronprinz Max II. auf seine künftige Aufgabe vorbereitete wünschte er eine ethnographische Bestandsaufnahme seines Landes. Und so wanderte Joseph Friedrich Lentner sechs Jahre durchs Land und zeichentet auf, was ihm interessant erschien. 1851 schrieb er dann über die Lechrainer:

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Den nächsten Vortrag können Sie am Mittwoch, 30. März 2011 im Pfarrsaal in Peiting hören. Thema: Die Vögte von Schongau - Die mächtigsten Männer des 13. Jahrhunderts kamen aus Hausen bei Peiting!